Flashback

Derzeit ist alles irgendwie schwierig. Ich kenne dieses Gefühl noch von vor 10 Jahren. Alles ist mir zu viel und ich lebe so richtig nicht mein Leben. So war das alles sicher nicht geplant. Der Düdo ist verkauft und der 814 noch weit von „bewohnbar“ entfernt. Mir fehlt das mobile Wohnen, klarer Fall. Der immobile Winter hat mir wesentlich mehr zugesetzt als ich wahrhaben wollte. Und natürlich habe ich auch wieder ähnliche Fehler gemacht. 

Zum Glück werde ich von guten Freunden mit Sätzen wie „nie wieder kommst Du aus der Wohnung raus“ und „das neue Wohnmobil wird niemals gebaut“ behutsam umsorgt. (Keine Bange, es war nicht nur das, sondern diverse verschiedenartige Angriffe [oder was ich als solche empfinde] mir wichtiger Personen…) Was anderen vielleicht ein Ansporn sein mag, dringt bei mir ungefiltert durch, setzt sich wortwörtlich fest und irgendwann glaube ich es selber. Tja, danach ist jeder Versuch wie ein Kampf gegen Windmühlen, alles erscheint sinnlos und Aufgeben scheint die einzig sinnvolle Option zu sein. Auf alle Fälle raubt es mir Kraft, dass mir mein Kopf jetzt bei jeder auch noch so sinnvollen Tätigkeit sagt, dass sie blanker Unsinn sei.

Die Ironie an der Sache ist, dass mir dadurch alles, was ich nicht direkt zum Erreichen der Wohnmobilität tue, völlig widerwärtig ist und meine Stimmung schon vor Arbeitsbeginn ruiniert. So ist es derzeit auch auf meiner Arbeitsstelle. Okay, ist auch enorm schwierig mit all den Menschen. Bis es hallentauglich warm wurde, konnte ich prima arbeiten gehen. Ab da wurde es zunehmend aufreibender. Vereinzelt haben meine „Kollegen“ scheinbar auch noch Freude daran, mich noch zusätzlich zu ärgern. Ich fing dann vor ein paar Wochen an, den Arbeitstag umgehend zu beenden, sobald es mir über die Maßen gegen den Strich ging. Der Rekord lag bei 3 Minuten, ich hatte gerademal die Schuhe gewechselt und schon ging mir mein großmäuliger Möchtegern-Vorgesetzter auf den Sack, da hatte ich noch nichtmal angestochen. Machte ich dann auch nicht mehr…

Weil ich mir nicht mehr anders zu helfen wusste, wollte ich kündigen. Da mir „nie wieder“ dann aber auch nicht vorschwebte, wollte ich einfach nur das Beschäftigungsverhältnis als Schweißer aussetzen, sprich, mich auf unbestimmte Zeit beurlauben lassen. Klappt natürlich nicht, jedenfalls nicht in der Praxis. Immer und immer wieder wird mein Seelenfrieden unterbrochen, die soeben ansatzweise erlangte friedliche Ruhe wieder durch übelsten Hardcore Techno im Gehirn ersetzt. Als es dann auch noch Happy wieder schlecht ging, hatte ich ganz dunkle Gedanken. Das Ganze ist ein Spiel, bei dem ich nicht gewinnen kann. Klar, ich bin dabei kein Spieler, sondern bestenfalls der Ball.

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Ja, es geht (irgendwie) weiter, wie es schon immer (irgendwie) weiter ging. (Irgendwie) Notlaufprogramm. Bertha steht zwischen mir und dem 814, also hilft nur die Flucht nach vorne: Bertha muss fertig gemacht werden. Dabei versuche ich nicht über Sinn und Unsinn nachzudenken, ebensowenig über Zeit. Einfach machen, wenn es auch nur halbwegs machbar ist. Und wenn es nicht machbar ist, davon nicht runter ziehen lassen, sonst geht erst recht nichts mehr. Fallen halt zwischendrin wieder ein paar Tage aus, scheiß drauf. Wenn ich wieder einen Totalausfall bekomme, hänge ich wieder echte Ewigkeiten in den Seilen, dann geht garnichts mehr, in keine Richtung, Stillstand. Dann wäre der nächste immobile Winter wie in Granit gemeißelt. Doch wenn ich es ohne Druck angehe, habe ich durchaus noch eine realistische Chance, zumindest den Kofferrohbau vor dem Winter fertig zu bekommen. Würde mir vollkommen reichen. Heizung, Matratze, Wäschekörbe, fertig, Abfahrt.

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